Presse: Mikado

Foto: Wonge Bergmann.

Mit Geduld und ruhiger Hand

Maler und Bildhauer Achim Breit möchte Nied zum Künstlerviertel machen / Erste Erfolge

Von beg. NIED

Rütteln möchte man schon einmal an ihnen — jenen übergroßen Holzstangen, die Teil der Kunstinstallation „Mikado“ sind und seit nunmehr zwei Wochen die Wörthspitze im Stadtteil Nied zieren. Aufgestellt wurde das zwar fragil erscheinende, aber standfeste und ansehnliche Kunstwerk von
Maler und Bildhauer Achim Breit. Die aus Fichtenholz gearbeiteten Stangen — bis zu acht Meter lang, elf an der Zahl, im Kreuzungspunkt verschraubt und im Boden verankert — waren zentraler Bestandteil der vom Kunstverein „Westkunst Frankfurt-Nied“ auf der Wörthspitze veranstalteten Ausstellung von Bildhauerarbeiten.
Die zweitägige Aktion im August war der Auftakt der Bemühungen von Maler und Bildhauer Achim Breit, Künstler und Kunstinteressierte nach Frankfurt-Nied zu locken. Plastiken aus Metall, aus Holz und andere Arbeiten waren in der Grünanlage zu bewundern, an der im Norden die Nidda und im Süden der Main entlangfließen. Während diese Kunstwerke ausnahmslos wieder eingepackt wurden, ist das „Mikado“-Spiel zunächst am ungewöhnlichen Ort verblieben — und mit ihm die Hoffnung, Nied auf Dauer zu einem Kunstquartier zu machen.
Seit Anfang des Jahres wirbt Maler und Bildhauer Achim Breit, der in Frankfurt-Nied wohnt und arbeitet, für seine Idee, dass das mit wirtschaftlichen, sozialen und städtebaulichen Schwierigkeiten behaftete Quartier mittels der schönen Künste wieder aufgewertet werden könnte. Die Freiluftausstellung sei ein erster Schritt gewesen; ein Bildhauer-Symposion, wiederum auf der Wörthspitze, solle nächstes Jahr folgen; schon in wenigen Wochen werde zudem ein Atelierhaus im Stadtteil eröffnet.
Mehrere Künstler sind nach Angaben von Breit derzeit damit beschäftigt, ein altes Wohnhaus an der Straße Im Wörth zu renovieren. Die Wohnheim GmbH habe ihnen den seit Jahren leerstehenden Bau für eine geringe Miete überlassen, sagte Breit. In dem Gebäude — das wegen seines rauhen Fassadenputzes von vielen Bürgern Krümelbau genannt wird — wollen die Künstler ihre Ateliers einrichten. Vielfältige Bemühungen also, die nach Angaben von
Maler und Bildhauer Achim Breit mittlerweile auch die Unterstützung der Stadt finden — zumindest habe Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) dies bei der Eröffnung der Kunstausstellung zwischen Main und Nidda zugesichert.
Nun muss Breit noch den für Nied zuständigen Ortsbeirat 6 für sein Anliegen gewinnen: Denn ob die Installation tatsächlich dauerhaft auf der Wörthspitze bleiben darf, ist vom Votum der Ortsvertreter abhängig, die bei der Gestaltung von städtischen Grünanlagen maßgeblich mitreden dürfen. Die SPD-Fraktion hat für die nächste Ortsbeiratssitzung bereits einen Antrag eingebracht, mit dem den Verbleib zu befürworten.
Doch auch mit Vorbehalten hat Breit nach eigenen Angaben noch zu kämpfen. Er hat die Vorstellung, dass die vielen leerstehenden Einzelhandelsflächen in Nied künftig von Gewerbetreibenden genutzt werden könnten, die in der Kunstbranche tätig seien oder dieser nahestünden. Konkret denkt er etwa an Fotografen, Buchhändler oder Kunsthandwerker. Die Voraussetzungen sind nach seinen Worten günstig, denn die Ladenmieten seien vergleichsweise niedrig. Dennoch habe er bisher weder bei der gewünschten Klientel noch bei den Hauseigentümern das erhoffte Interesse wecken können, sagt Breit. Aufgeben werde er aber nicht, hier sei er standhaft, genauso wie sein Mikado-Spiel.